Pressestimmen


Rezension des Philharmonie-Konzertes vom 08.06.2008:

Kölner Stadt-Anzeiger, 10. Juni 2008

Heißer Eifer, heiliger Ernst
Kodály und Liszt: Ungarische Nationalheiligtümer in der Kölner Philharmonie.

Von GERHARD BAUER

Der "Psalmus Hungaricus" von Zoltán Kodály und die "Missa solemnis" von Franz Liszt begleiteten bedeutende historische Ereignisse und sind in Ungarn nachgerade musikalische Nationalheiligtümer geworden. Der Psalm entstand anlässlich des 50. Jahrestags der Vereinigung der Städte Buda und Pest zu Budapest (1925), die Messe zur Einweihung des Doms von Gran/Esztergom (l855). Beide Werke sind nicht nur von einer Gefühlsinbrunst ohnegleichen, sondern auch von hohem künstlerischen Wert - und davon vermittelte die Aufführung durch Gürzenich-Chor, Kölner Kurrende und Gürzenich-Orchester in der Philharmonie (Leitung: Michael Reif) mehr als bloß eine Ahnung.

Es verdient ja zunächst der Umstand alles Lob, dass sich Amateure an schwierige, aber wichtige Außenseiter des Repertoires wagen. Und wenn dann noch die Bereitschaft zur Identifikation mit den emotionalen, inhaltlichen und textlich/phonetischen (Kodály wurde ungarisch gesungen) Bedeutungen spürbar wird, will man manche technischen Defizite durchaus gering schätzen. Dann bleibt wohltuend vor allem der heiße Eifer und der heilige Ernst der Chormitglieder im Gedächtnis.

Prekär wird die Angelegenheit aber, wenn - altes Lied, altes Leid - die Solisten hinter den Anforderungen zurückstehen. Im Quartett der Liszt-Messe konnte man nur dem Bass Klaus Mertens Einstellung, Stimmqualität und Können eines Berufssängers zubilligen, Jana Stehr (Sopran) und Elisabeth Graf (Alt) waren bloß brav. Ganz schlimm aber wurde es bei Kodály, denn hier ist ein Heldentenor von flammender Kraft gefragt und nicht ein Operettenstar wie Thomas Dewald. Wem gelingen denn derartig gravierende Besetzungsfehler?