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Rezension des Festkonzertes anläßlich des 175-jährigen Bestehens des Gürzenichchores - "The Cloud Messenger" von Gustav Holst und Sinfonie Nr.3 "Kaddish" von Leonard Bernstein - unterstützt durch die Kölner Kurrende und die Knaben des Kölner Domchores vom 05.05.2002 in der Kölner Philharmonie. Kölner Stadtanzeiger, 07. Mai 2002 Grenzen wurden mutig versetzt Von Stefan Rütter
Der Gürzenich-Chor krönte seine Jubiläumsfeiern mit einem
Festkonzert in der Kölner Philharmonie.
Es hätte nahe gelegen, zu diesem Anlass irgendeine populäre Zugnummer einzustudieren, ein Werk kalkulierbaren Aufwandes und gesicherter Wirkung. Stattdessen griff Chorleiter Michael Reif zu zwei Stücken, die in der äußersten Peripherie des Chor-Repertoires hausen, die beide überhaupt zum ersten Mal in Köln erklangen. Mit Gustav Holsts "The Cloud Messenger" ("Der Wolkenbote"), besonders aber mit der dritten Sinfonie "Kaddish" von Leonard Bernstein versetzten die Sängerinnen und Sänger kühn die Grenzlinien, die einem Laienensemble gezogen sind. Sie büßten dafür mit leeren Rängen im Saal; sie büßten indes nur wenig bei der musikalischen Bewältigung. Um dem blechgepanzerten Spiel des Philharmonischen Orchesters Südwestfalen die Stirn bieten zu können, hatte man die Chorfreunde der Kölner Kurrende um Unterstützung gebeten. Zum Gotteslob in Bernsteins Sinfonie jubilierten außerdem die Knaben des Kölner Domchores. Feurig-fordernder Schlag Dass Konzentration und Intonation am Ende des kraftzehrenden und mit Exotismen überladenen "Wolkenboten" nachließen, ist leicht zu verstehen. Auch waren Bernsteins komplex verschachtelte Rhythmen noch nicht allen Choristen in Fleisch und Blut übergegangen. Gegen all diese Widrigkeiten sorgte aber Reifs feurig-fordernder Schlag dafür, dass Spannung und Intensität nicht abrissen. Die chorische Hundertschaft ließ sich von Holsts spätromantischen Klangwogen tragen und stieg ebenso bereitwillig in die emotionalen Tiefen des jüdischen Totengebetes herab, das der Sinfonie Struktur und Gehalt gibt. Der Mezzosopranistin Susanne Blattert fielen in beiden Werken sehr unbequeme Partien zu, die sie mit großer Musikalität bezwang. So professionell und engagiert Cornelia Froboess auch Bernsteins Sprechtexte rezitierte - das Pathos dieser zornigen Gottesanrufungen bleibt schwer zu ertragen. Das prachtvolle Programmheft ließ anhand aufschlussreicher Dokumente 175 Jahre Vereinsgeschichte Revue passieren. Dabei unterschlug man auch nicht jene Zeit, da Mitglieder aufgrund ihrer "nicht-arischen" Abstammung aus den Reihen des Chores gedrängt wurden. Wer sich seiner Vergangenheit so mutig stellt, ist für die Zukunft bestens gerüstet.
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