Pressestimmen


Rezension der Johannes-Passion vom 18.3.2001 im Altenberger Dom aus dem Kölner Stadt-Anzeiger:

Kölner Stadt-Anzeiger, 28.3.2001

Bach-Chorwerk
Von Engelsstimmen zu giftigem Gemenschel
Kölner Kurrende musizierte im Dom

Altenberg - Wenigstens ein großes Bach-Chorwerk wurde dem verwöhnten Publikum dieses Jahr im Dom aufgetragen, nach dem üppigen Angebot im letzten Jahr war es das dann leider für 2001. Doch der Kölner Kurrende unter der Leitung von Michael Reif gebührt das Verdienst, das rare Gut sehr anständig vorgetragen zu haben. Bachs Johannes-Passion in historischer Aufführungspraxis, zusammen mit dem Ensemble "Le Nuove Musiche" auf alten Instrumenten.
Die alten Instrumente haben die Sänger der hohen Stimmlagen immer recht gern, schon wegen der tiefen Stimmung. Im Dom hat diese zudem recht kleine Besetzung allerdings immer den Haken, dass die silbrige Transparenz des Instrumentalklangs optimal nur vorn zu vernehmen ist. Die Kölner hatten sich nach der Premiere im letzten Jahr erheblich besser an die Dom-Akustik herangepirscht.
Der Chorklang der nicht allzu groß besetzten, relativ jungen Truppe strahlte und reagierte sehr variabel auf die unterschiedlichen geforderten Tableaus. Man hörte die intensive Auseinandersetzung mit den Stimmungen zwischen giftigem Gemenschel der Turba-Chöre und den Engelsstimmen der Choräle, die Spannung zwischen Karfreitagstrauer und Erlösungsglauben.
Der Text wurde ausgelegt und ausgelebt, auf durchweg sehr hohem Niveau der technischen Präzision, mit deutlichster Artikulation und Dynamik. Die Vokalsolisten passten dazu. Jutta Potthoff, Sopran, brachte mit schlankem und weichen Sopran Lyrik pur; Altus Martin Wölfel war immer klar und sauber zu hören, auch wenn die Besetzung mit der "Altus"-Stimme generell Geschmacksache ist. Tenor Max Ciolek überzeugte durch sensible Textgestaltung als Evangelist und ebenso musikalisch gesungene Arien, ebenso souverän gestaltete Thomas Laske Christusworte und Arien.
Das begleitende Orchester passte sich der Einstudierung an. Bei der Besetzung der Continuo-Gruppe gab es optimale instrumentale Vielfalt, das Ensemble spielte pointiert und stilistisch stimmig, auch die Soli wurden sinnvoll ausmusiziert durch ebenso kompetente wie aufmerksame Begleiter. Wenigstens Ostern ist - was Bach betrifft - gerettet!

Dietlind Möller-Weiser