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Hier finden Sie Rezensionen des Weihnachts-Oratorium von Johann Sebastian Bach, Kantaten I und IV bis VI vom 6.1.2001 in der Kölner Philharmonie aus der Kölnischen Rundschau und dem Kölner Stadt-Anzeiger. Falls Sie eine Rezension des Online Musik Magazins über dieses Konzert lesen möchten, können Sie das hier.
Bachs Weihnachtsoratorium
Von Johannes Schwermer
Michael Reif gab mit der Aufführung der Kantaten I, IV, V und VI seinen
glänzenden Kölner Dirigier-Einstand in der üppig besetzten
Philharmonie. Die Zuhörer jubelten anhaltend. Reif hat eine besondere
Gabe, Laienchöre zu motivieren, mit seiner sicheren Vorausschau, der
beredten, handgreiflich-plastischen Zeichensprache, der genauen inneren
Vorstellung, der liebevollen Verschränkung von Detail- und
Gesamtausformung.
Der rund 50-köpfige Sängerchor hatte eine Königsstunde: Er
klang homogen, ohne überzogene Frauenstimmen-Klangkrone, brachte - auch
mit Einzeltonschwellungen - die Affekte auf den Punkt. Gern lobt man die
Choräle, die ohne störende Pausenaufenthalte Bachs Klangrede mit
feinem harmonischen Gespür ausbreiteten. Die Übernahme weltlicher
Melodien in dies geistliche Werk entspricht übrigens
zeitgenössischem neuplatonischen Denken, nach dem Elemente wie Güte,
Liebe, Lust sowohl weltlich wie geistlich geprägt sein können.
Die vorgesehene männliche Solistenriege war ausnahmslos erkrankt und
musste neu besetzt werden. Da gab es eine großartige Entdeckung,
nämlich den Evangelistentenor Max Ciolek, der seine Partie trotz
aufgeschlagener Partitur auswendig sang. Seine vital-intensive Gestaltung
sprang unmittelbar über die Rampe. Die Sopranistin Jutta Potthoff
verband sich seiner Auffassung am engsten und überzeugendsten; die
Altistin Alexandra Kloose hob sich davon durch aufgesetzte Operndramatik ab;
der Bassist Phillip Langshaw erinnerte an den würdevollen
Interpretationsstil vor 40 Jahren.
Das Neue Rheinische Kammerorchester spielte auf modernen Instrumenten
uneinheitlich. Da lärmte die Pauke zu Beginn wie ein Silvesterknaller,
drängten sich die Trompeten balanceverändernd hervor. Die
Uneinheitlichkeit der Streicher wäre noch ein eigenes Kapitel.
Kölner Stadt-Anzeiger, 9.1.2001
Kölner Kurrende
Und auch für den zweiten Glücksfall des Abends war das Wort
Ausgangs- und Mittelpunkt seiner Darbietung: Max Ciolek (Tenor),
eingesprungen für den erkrankten Marcus Ullmann, überzeugte mit
erzählender Dramatik, leichter Höhe und großem
sängerischen Selbstverständnis. Auch mit tanzender Feinheit in den
Arien verwies er die verhaltene Sopranistin Jutta Potthoff, den kernigen Alt
Alexandra C. Klooses und den für den erkrankten Henryk Böhm
eingesprungenen Phillip Langshaw (Bass) auf ihre Plätze.
Der dritte Glücksfall wollte sich in den Reihen des authentisch auf neuen
Instrumenten und zumeist sehr erfreulich musizierenden Neuen Rheinischen
Kammerorchesters ereignen: Ina Stock verzauberte auf höchst musikalische
und barocke kundige Weise zahlreiche Arien zu solchen für Solo-Oboe und
Sänger (Nr. 39, 47, 57, 61 u. 62), verhalf diesen auf den Weg zur einzig
wahren Interpretation. Eine großartige Einzelleistung, die sich auch im
aufbrausenden Beifall des Publikums dokumentieren sollte. (MRa)
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