Pressestimmen


Hier finden Sie Rezensionen des Weihnachts-Oratorium von Johann Sebastian Bach, Kantaten I und IV bis VI vom 6.1.2001 in der Kölner Philharmonie aus der Kölnischen Rundschau und dem Kölner Stadt-Anzeiger. Falls Sie eine Rezension des Online Musik Magazins über dieses Konzert lesen möchten, können Sie das hier.


Kölnische Rundschau, 8.1.2001

Bachs Weihnachtsoratorium
Brillantes Debüt eines Dirigenten

Von Johannes Schwermer

Köln. Trotz herabgesetzter Preise für Weihnachtsartikel ist das Dreikönigsfest (Erscheinung des Herrn) eine Säule des Weihnachtsfestkreises, in den Ostkirchen sogar das Hauptfest. Erst am Sonntag nach dem Fest der Taufe des Herrn neigt sich Weihnachten dem Ende zu. Die Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium durch die Kölner Kurrende mit dem Neuen Rheinischen Kammerorchester war also besonders legitimiert.

Michael Reif gab mit der Aufführung der Kantaten I, IV, V und VI seinen glänzenden Kölner Dirigier-Einstand in der üppig besetzten Philharmonie. Die Zuhörer jubelten anhaltend. Reif hat eine besondere Gabe, Laienchöre zu motivieren, mit seiner sicheren Vorausschau, der beredten, handgreiflich-plastischen Zeichensprache, der genauen inneren Vorstellung, der liebevollen Verschränkung von Detail- und Gesamtausformung.

Der rund 50-köpfige Sängerchor hatte eine Königsstunde: Er klang homogen, ohne überzogene Frauenstimmen-Klangkrone, brachte - auch mit Einzeltonschwellungen - die Affekte auf den Punkt. Gern lobt man die Choräle, die ohne störende Pausenaufenthalte Bachs Klangrede mit feinem harmonischen Gespür ausbreiteten. Die Übernahme weltlicher Melodien in dies geistliche Werk entspricht übrigens zeitgenössischem neuplatonischen Denken, nach dem Elemente wie Güte, Liebe, Lust sowohl weltlich wie geistlich geprägt sein können.

Die vorgesehene männliche Solistenriege war ausnahmslos erkrankt und musste neu besetzt werden. Da gab es eine großartige Entdeckung, nämlich den Evangelistentenor Max Ciolek, der seine Partie trotz aufgeschlagener Partitur auswendig sang. Seine vital-intensive Gestaltung sprang unmittelbar über die Rampe. Die Sopranistin Jutta Potthoff verband sich seiner Auffassung am engsten und überzeugendsten; die Altistin Alexandra Kloose hob sich davon durch aufgesetzte Operndramatik ab; der Bassist Phillip Langshaw erinnerte an den würdevollen Interpretationsstil vor 40 Jahren.

Das Neue Rheinische Kammerorchester spielte auf modernen Instrumenten uneinheitlich. Da lärmte die Pauke zu Beginn wie ein Silvesterknaller, drängten sich die Trompeten balanceverändernd hervor. Die Uneinheitlichkeit der Streicher wäre noch ein eigenes Kapitel.


Kölner Stadt-Anzeiger, 9.1.2001

Kölner Kurrende
Viel Glück für Bach

Es gibt unglückliche und glückliche Umstände, die ein Konzert begleiten können. Für die Kölner Kurrende wollte die ausgleichende Gerechtigkeit ihre schützende Hand über die Darbietung der Teile I sowie IV bis VI des Bachschen Weihnachtsoratoriums legen. Für die erkrankte Leiterin Elke Mascha Blankenburg hatte Michael Reif die Leitung des jugendlichen Ensembles übernommen, führte die zarten, strahlenden Stimmen frei von jeglichem Druck durch die teils extreme Chorpartie. Gerade in den Eingangschören der ersten wie auch sechsten Kantate wurde der Versuchung widerstanden, dynamisch mit Pauken und Trompeten mithalten zu wollen. Federn durfte es, und der Taktschwerpunkt wurde zur Triebkraft musikalischen Geschehens, man verzierte fein und ohne barocken Manierismus. Ergänzend spiegelten die Choräle Schlichtheit und Glaubenskraft der Gemeinde, setzten das Wort als Interpretationskern zentral.

Und auch für den zweiten Glücksfall des Abends war das Wort Ausgangs- und Mittelpunkt seiner Darbietung: Max Ciolek (Tenor), eingesprungen für den erkrankten Marcus Ullmann, überzeugte mit erzählender Dramatik, leichter Höhe und großem sängerischen Selbstverständnis. Auch mit tanzender Feinheit in den Arien verwies er die verhaltene Sopranistin Jutta Potthoff, den kernigen Alt Alexandra C. Klooses und den für den erkrankten Henryk Böhm eingesprungenen Phillip Langshaw (Bass) auf ihre Plätze.

Der dritte Glücksfall wollte sich in den Reihen des authentisch auf neuen Instrumenten und zumeist sehr erfreulich musizierenden Neuen Rheinischen Kammerorchesters ereignen: Ina Stock verzauberte auf höchst musikalische und barocke kundige Weise zahlreiche Arien zu solchen für Solo-Oboe und Sänger (Nr. 39, 47, 57, 61 u. 62), verhalf diesen auf den Weg zur einzig wahren Interpretation. Eine großartige Einzelleistung, die sich auch im aufbrausenden Beifall des Publikums dokumentieren sollte. (MRa)